Sind Energy Drinks gefährlich?

Immer wieder hört man, dass Energy Drinks gefährlich sein sollen. Doch was ist dran an den Zeitungsberichten und den Gerüchten? Und wie wirkt sich das auf Pre-Workout Produkte aus?

Energy Drinks können tödlich sein?

Bei Energy Drinks handelt es sich um fertige trinkfertige Produkte (RTD) aus der Dose. Meist enthalten diese eine erhöhte Menge an Koffein, häufig Taurin, oftmals Zucker, sowie künstlich zugesetzte Vitamine. Darunter gibt es natürlich auch zuckerfreie Varianten oder Energy Drinks welche auf natürliche Quellen setzen. Darin enthalten ist dann als Koffeinquelle meist Guarana. Im Fitness-Bereich findet man auch sogenannte BCAA-Energy-Drinks oder natürlich Pre-Workout Booster.

Energy Drinks sind definitiv ein Lifestyle Produkt. Die bekannteste Marke ist Red Bull, dicht gefolgt von Monster oder Rockstar Energy. Auch Coca-Cola hat einen eigenen Energy-Drink rausgebracht. Im Fitness-Bereich eine besondere Rolle spielen sicherlich Bang Energy und weitere koffeinhaltige Fitness-Drinks.

Diesen Beitrag möchte ich auch gerne den Pre-Workout Boostern widmen. Pre-Workout Booster enthalten meist hohe Mengen an Koffein und weiteren aktiven Inhaltsstoffen. Insbesondere in den sogenannten Hardcore-Boostern sind neben Koffein auch weitere Inhaltsstoffe enthalten, die gefährlich werden können.

In diesem Beitrag geht es mir aber vor allem um die Wirkung von Koffein,

Energy Drinks können tödlich sein

Es sind bereits Einzelfälle bekannt in denen Konsumenten von Energy Drinks nach dem Konsum gestorben sind. Tatsächlich kann der Konsum von hochdosiertem Koffein tödliche Auswirkungen haben. Unabhängig davon wirkt sich der hohe Koffein-Konsum aber auf das Herz und den Blutdruck aus. Nachfolgend möchte ich das Problem und das Risiko hinter den Energy Drinks erklären.

Im Rahmen einer Studie1)https://www.ahajournals.org/doi/full/10.1161/JAHA.118.011318, welche auch durch die American Heart Association veröffentlicht wurde2) https://www.heart.org/en/news/2019/05/29/energy-drinks-may-provide-jolt-to-heart-function-blood-pressure, wurde das Risiko von Energy Drinks untersucht. Das Ergebnis: Der intensive Konsum von Energy Drinks kann das Risiko von Herzrythmusstörungen erhöhen. Diese wiederum erhöhen das Risiko von einem Schlaganfall oder Herzerkrankungen.

Doch was ist dran an der Studie? Schauen wir uns das ganze mal genauer an. Anschließend werde ich Rückschlüsse ziehen und dir erklären ob was dran ist an dem Gerücht „Energy Drinks können tödlich sein“.

Die Studie

Es gab insgesamt drei Test-Gruppen. Eine der Gruppen erhielt ein Placebo-Drink mit Zitronen- oder Kirsch-Geschmack, die anderen beiden Test-Gruppen erhielten 2 x 900ml Energy Drink mit 304mg Koffein pro Flasche oder 320mg Koffein pro Flasche. Die erste Dosis mit 900ml wurde zu Beginn der Auswertung, die zweite anderthalb Stunden nach Beginn der Auswertung zu sich genommen. Neben des Koffein enthielt der Drink eine unbestimmte Dosis von Taurin, Glucuronolacton, B-Vitamine, dazu noch Carnitin, Guarana und Panax-Ginseng.

Das Ergebnis: Der Blutdruck war bei beiden Drinks um ca. 15mmHg systolisch erhöht, um ca. 10mmHg diastolisch. Nach einiger Zeit kam es zur Normalisierung. Beim QT-Intervall auf dem EKG kam es bei den beiden Energy Drinks zu einer Verlängerung von 17,9ms bzw, 19,6ms entgegen des Placebo-Drinks mit 9,6ms.

Die Bedeutung des QT-Intervall, sowie die Auswirkungen auf den Blutdruck werde ich später näher erläutern.

Kritik an der Studie

Die Studie wurde in Kalifornien durchgeführt. Die Energy Drinks die in dieser Studie verwendet wurden dürfte man in Deutschland nicht unbedingt finden. Die Koffein-Dosierung entspricht auch fast unseren zuverlässigen Höchstwerten von 32mg/100ml Energy Drink. 1,8 Liter Energy Drink über einen Zeitraum von anderthalb Stunden sind dennoch eine recht hohe Test-Dosis um daraus die Pauschalaussage über die Gefahr von Energy Drinks treffen zu können.

Was mich am meisten stört: Die Wirkung von Taurin, Glucuronolacton, B-Vitamine,Carnitin, Guarana und Panax-Ginseng wurde nicht gezielt untersucht. Es scheint so, dass die kritische Wirkung von allem dem Koffein zugeschrieben wird, die weiteren Inhaltsstoffe aber vernachlässigt. Dabei sind es doch gerade die weiteren pharmakologisch wirksamen Stoffe in einem Energy Drink, denen man weitere Bedeutung zu bringen sollte.

Ergebnis der Studie

Jeder Konsument eines Energy Drinks oder eines Pre-Workout Boosters sollte bei den Ergebnissen hellhörig werden. Um zu verstehen welche Bedeutung die Studien-Ergebnisse haben ist aber etwas medizinisches Hintergrundwissen notwendig.

Ich möchte mich zu erst einmal mit der Erhöhung der systolischen und diastolischen Blutdruckwerte befassen. Der Blutdruck eines gesunden Erwachsenen liegt in der Ruhe bei etwa 120mmHg/80mmHg. Unter Belastung sind die Werte erhöht. Auch Schmerzen oder Flüssigkeitsmangel können den Blutdruck erhöhen. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck oder regelmäßig erreichte Spitzenwerte wirken sich negativ auf das Herz-Kreislauf-System des menschlichen Körpers aus.

Energy Drinks werden nach dieser Studie diese Spitzenwerte nicht erreichen. Dennoch darf man nicht außer Acht lassen, dass sich die Blutdruckwerte bei Konsum von Energy Drinks verändern. Bei einem bekannten Bluthochdruck kann sich dies negativ äußern. Auch bei einem intensiven Training kann der Blutdruck negative Spitzen erreichen. Hohe Belastung und falsche Atmung können dabei ein kritisches Niveau erreichen. Hoher Blutdruck kann das venöse und arterielle System in Mitleidenschaft ziehen. Das gilt auch besonders für die Herzkranzgefäße, sowie die Gefäße im Gehirn. Mögliche Folgen sind ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall.

Kritischer als die leichte Blutdruckerhöhung ist dabei die Verlängerung des QT-Intervall. Das QT-Intervall bezeichnet im EKG einen zeitlichen Messwert. Dieser beginnt mit dem QRS-Komplex und endet mit der T-Welle. Veränderungen dieser Zeit können Herz-Rhythmus-Störungen auslösen.

Mir ist dabei wichtig klar zu definieren, dass Herz-Rhythmus-Störungen ausgelöst werden können. Auch durch Medikamente oder normale Herzaktivitäten kann es zu einer Verlängerung des QT-Intervalls kommen. Problematisch ist eine durch Energy Drinks herbeigeführte Verlängerung der QT-Zeit trotzdem. Gerade unter Belastung steigt die Gefahr der Herz-Rhythmus-Störungen an.

Ein besonderes Risiko bieten Energy Drinks auch für alle Konsumenten mit bestehenden Herz-Rhythmus-Störungen. Und jetzt bitte mal ehrlich: Warst du schon mal beim Arzt, der eine Störung ausgeschlossen hat? Nein? Dann gehörst du wie viele andere Konsumenten zu einer möglichen Risiko-Gruppe. Die meisten Todesfälle die mit Energy Drinks oder Pre-Workout Produkten in Verbindung gebracht werden sind bei jüngeren Menschen mit existenten Rhythmus-Störungen aufgetreten.

Wenn du dir also die Frage stellst, ob Energy Drinks tödlich sein können: Ja, können sie. Energy Drinks können tödlich sein. Der verantwortungsvolle Umgang mit Energy Drinks oder Pre-Workout Produkten dürfte kein erweitertes Risiko bringen. Bei bekannten Herz-Rhythmus-Störungen oder anderen Risiko-Faktoren solltest du deinen Energy Drinks Konsum allerdings deutlich einschränken, wenn nicht sogar auf diesen verzichten.

Quellenangaben   [ + ]

1.https://www.ahajournals.org/doi/full/10.1161/JAHA.118.011318
2. https://www.heart.org/en/news/2019/05/29/energy-drinks-may-provide-jolt-to-heart-function-blood-pressure

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